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21. März 2017 Viessmann Sport

Skifliegen: Rekordweiten und kein Ende in Sicht

Eine Mischung aus Verliebtsein und dem Gefühl, einem Autounfall gerade noch entgangen zu sein“, so beschrieb Skisprung-Legende Dieter Thoma einmal das Gefühl beim Skifliegen. Und der Mann wusste, wovon er sprach: 1990 wurde er Skiflug-Weltmeister und mit seiner persönlichen Bestleistung von 211 Metern, aufgestellt 1997 in Planica (SLO), kratzte er am damaligen Weltrekord. Zu dieser Zeit waren Flüge über 200 Meter noch einem exklusiven Zirkel von Weltklasse-Athleten vorenthalten, mittlerweile ist diese Marke beinahe Pflicht, um sich im Weltcup für den zweiten Durchgang zu qualifizieren.

Am vergangenen Wochenende hat die Weitenjagd der Skiflieger noch einmal eine neue Dimension erreicht. Sagenhafte 253,5 Meter trug es den Österreicher Stefan Kraft beim Teamfliegen in Vikersund (NOR) von der derzeit größten Skiflugschanze der Welt durch die Luft. Weltrekord!

Dabei hat alles einmal so harmlos angefangen: 1931 begann der Ingenieur Stanko Bloudek in Planica mit den Planungen für eine Schanze, die Sprünge um die 90 Meter ermöglichen sollte – für die damalige Zeit eine enorme Weite. Nach den ersten Wettbewerben auf der neuen Anlage und dem hohen Publikumsinteresse wurde sie so erweitert, dass sie auch Sprünge über die magische Marke von 100 Metern zuließ.
Doch der FIS war diese gefährliche Weitenjagd ein Dorn im Auge. Sie verbot Wettkämpfe auf Schanzen dieser Größenordnung und drohte Athleten, die trotzdem dort sprangen, mit einer Sperre. Das hielt den Österreicher Josef Bradl jedoch nicht davon ab, 1936 in Planica als erster Mensch eben jene Schallmauer von 100 Metern zu durchbrechen und damit eine bis heute andauernde Rekordjagd zu eröffnen.

Wunderkind fliegt über die 200-Meter-Marke
Einem gewissen Lars Grieni aus Norwegen war es 1967 schließlich vorbehalten, auf der 1950 eröffneten zweiten Skifluganlage der Welt, der Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstdorf, mit einem Flug auf 150 Metern den nächsten Meilenstein zu setzen. Noch einmal versuchte die FIS der Weitenjagd mit einer kuriosen Regel Einhalt zu gebieten: Nachdem Matti Nykänen (FIN) und Andreas Felder (AUT) 1985 bzw. 1986 191 Meter weit gesegelt waren, wurde diese Marke eingefroren und fortan Flüge über diese Weite hinaus mit „nur“ 191 Metern gewertet.
Doch auch von dieser Regelung ließen sich die Weitenjäger nicht stoppen: Andreas Goldberger überflog 1994 in Planica als erster Mensch die 200 Meter, griff allerdings bei der Landung in den Schnee. Des einen Pech, des anderen Glück: Durch Goldbergers Missgeschick schrieb sich Toni Nieminen kurze Zeit später als erster Mensch, der einen Skiflug über 200 Meter sicher zur Landung brachte, in die Geschichtsbücher. Randnotiz: Mit seiner Heldentat wurde der Finne stolzer Eigentümer einer deutschen Luxuskarosse, die der Veranstalter in Slowenien für den ersten Satz über 200 Meter ausgelobt hatte.

Gut zwanzig Jahre später – die merkwürdige 191-Meter-Regel der FIS war mittlerweile Geschichte – knackte Peter Prevc die nächste historische Marke: 250 Meter weit trug es den Slowenen vom „Monsterbakken“ in Vikersund, doch auch dieser Rekord hatte nur kurze Zeit Bestand.
Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass Krafts 253,5 Meter vom vergangenen Wochenende wohl ebenfalls nur eine Zwischenstation auf der Jagd nach weiteren historischen Bestmarken bleiben wird. Nächste Gelegenheit, Krafts Rekord zu knacken, bietet bereits das kommende Wochenende, wenn zum Saisonausklang der Skispringer die Weitenjagd in Planica in eine neue Runde geht.

Foto: www.NordicFocus.com